Kommentar zu: “Wer „Indie-Schrott“ sagt, verpasst das Beste”

Kommentar auf den Beitrag von Wer „Indie-Schrott“ sagt, verpasst das Beste von Dom Schott bei Netzpolitik.org

Die Schwäche des Gaming-Journalismus ist das eine, die Schwäche der Kulturförderung bzw. des Industriezweigs das andere. Es ist lustig wie – blind jeder Realität sich Politiker*innen – seit Jahren mit Sätzen wie „Wir wollen Gaming Standort Nummer 1“ in der Welt werden, ohne zu realisieren wie viel Vorsprung nicht nur die USA oder Japan haben. Selbst Frankreich (-> Stray) und die Niederlande (-> Horizon Serie) sind Standorte wo Game of the Year Anwärter entstehen können. Aber auch Länder wie Brasilien die eine der lebendigsten Gaming Start-Up Szenen überhaupt haben, oder Länder in Osteuropa sind wunderbare Quellen vieler interessanter Indietitel. Vieles kommt direkt aus der Förderung oder gezielter, langfristiger Bildungsinitiativen von denen es in Deutschland zu wenig angelegtes gibt. Selbst in China entstehen hochinteressante Titel, viele noch in einer heimische Mythologie verankert und deswegen für den internationalen Markt uninteressant, aber auch dort ist es nur eine Frage der Zeit bis ein AAA Titel aus der Indie Szene rausfällt.

Aber Gaming ist nur eine der vielen Branchen die im deutschen Kulturbetrieb allgemein komplett untergehen. Filme und Serien, Visuell Novels, Comics und Bilder- und Kinderbücher, Musik… überall ein ähnliches Trauerspiel. Zu kleine Fördertöpfe und sehr konservative Förderung.

In diesem Gesamtkonstrukt kann die deutsche Spieleindustrie auch nicht mehr als nette Indie-Titel auf den Markt werfen oder bestenfalls etwas für den heimischen Markt lizenzieren und lokalisieren. Keine Geringschätzung, ich spiele Indie-Titel hoch und runter. Dorfromantik, der Erfolg letztes Jahr, kommt direkt aus der Spieleförderung und ist – eben wie das erwähnte Dome Keeper – ein globaler Erfolg. Aber zu mehr ist die Deutsche Kultur- und Industriepolitik an der Stelle auch nicht in der Lage, weil schlicht nicht genug Geld in der Hand genommen wird. Wie wäre es mal mit ner deutschen/europäischen Indie Messe ähnlich der Indie Live Expo aus Japan, wo jedes Jahr massig japanischer, koreanischer und chinesischer Spiele der Welt präsentiert werden.

Zudem gibt es in der deutschen Förderung eine komische Fixierung auf Serious Games, Health Games oder Gamification von irgendwas Lebensnahem. Das dient wahrscheinlich zur Rechtfertigung um Sachen überhaupt förderungsfähig zu machen: man fördert Spiele die uns zu besseren Menschen machen. Hurra! Nett, nur vielleicht für viele potentielle Spieleschmieden vollkommen uninteressant – vor allem jene, die vielleicht für AAA Titel in Frage kommen.

Zum Mainstream Spiele-Journalismus: Der ist nicht nur in Deutschland, sondern auch international komplett kaputt. Hieran sind aber beide Seiten – die Lesenden und die schreibend Zunft – gleichermaßen Schuld. AAA Titel werden lange vor der Veröffentlichung hochgejubelt. Riesen Hype, kritische Stimmen – wie zuletzt beim IGN Korea Review zu God of War führen zu Morddrohungen. Ist klar. Bewertungen von 7/10 werden durch die Lesende Seite als 0/10 interpretiert. Kritik am Spiel wird kaum noch verstanden. Kaputt auf den Markt geworfen Spiele (wie das aktuelle Pokémon) werden nicht zerrissen, wo sie es echt mal verdienst hätten. Bewertung sind bestenfalls Top, Mäh oder Flop. Nicht ganz Eins oder Null, schwarz oder weiß, aber auch nicht weit davon weg. Wo ist hier wirklich Platz für die Einordnung von Indie-Titeln? In Deutschland gibts glücklicherweise einige etablierte kleine Gaming-Journalismus Ecken, wie etwa der des Autors oder Wasted wo man auch mal erfrischend andere Einschätzungen lesen kann, aber mit viel zu wenig Reichweite.

Was soll man sagen: Alles ein Trauerspiel.


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